Forstwirtschaft schafft Leben
Was Sie schon immer über den Wald und seine Bewirtschaftung wissen wollten ...  

Was bedeutet naturnahe und nachhaltige Forstwirtschaft?

mischwaldNachhaltige und naturnahe Forstwirtschaft bedeutet, die Waldflächen so zu nutzen, dass sie ihre biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Stabilität und Vitalität behalten. Dabei soll ihre Fähigkeit bewahrt werden, heute und auch zukünftig ihre ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen zu erfüllen.

Hat der Klimawandel Einfluss auf die Vielfalt unserer Wälder?

Klimaänderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. Sie haben somit direkte Folgen für unsere Wälder. Durch einen aktiven Waldumbau mit klimaangepassten Baumarten werden unsere Wälder daher „fit für den Klimawandel“. Bestände werden mit standortsangepassten Baumarten umgebaut oder neu begründet. So sollen zusätzlich zum laufenden Waldumbau im Staatswald im Rahmen des Klimaprogramms Bayern 2020 allein bis zum Jahr 2020 rund 100 000 Hektar besonders gefährdete Fichten- und Fichten-Kiefern-Wälder im Privat- und Körperschaftswald in klimatolerantere Mischwälder umgebaut werden. Diese Wälder von morgen sind vor Klimaveränderungen besser geschützt und können so weiterhin vielfältiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein.

Wälder sind gleichzeitig hochwirksame Systeme gegen den Klimawandel. Pflanzen wandeln das klimaschädliche Treibhausgas CO2 in Sauerstoff um, der uns zum Atmen zur Verfügung steht. Kohlenstoff wird in den Pflanzen und im Boden gespeichert. Diese Speicherung ist besonders in der oberirdischen Biomasse sehr hoch. Durch die Nutzung und Verwendung von Holz wird dieser Kohlenstoff dauerhaft der Atmosphäre entzogen. Nicht genutzte Wälder binden daher unter dem Strich viel weniger Kohlenstoff aus der Atmosphäre.

Müssen wir unsere Wälder schützen?

Wälder erlangen ihre hohe ökologische Bedeutung durch aktive nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung. Dabei sind die Gesetze, wie das Waldgesetz für Bayern, aber auch Naturschutzgesetze, die rechtliche Grundlage. Der weit überwiegende Teil der Waldbesitzer hat sich freiwillig dazu verpflichtet, im Rahmen der Zertifizierung ihrer Wälder besondere Bewirtschaftungsstandards einzuhalten. Über ¾ der bayerischen Waldfläche sind nach den Kriterien von PEFC, die auf internationalen Abkommen und Vorgaben basieren, zertifiziert. Aufgrund ihrer großen Bedeutung für Natur, Umwelt und Gesellschaft sind derzeit in Bayern umfangreiche Waldflächen auch über Schutzgebiete hoheitlich gesichert. Je nach Schutzcharakter bestehen unterschiedliche Vorgaben für die Bewirtschaftung bis hin zum Nutzungsverzicht. Rund 945 000 Hektar Wald liegen in Naturparken, 82 000 Hektar Wald in Naturschutzgebieten, 487 000 Hektar Wald in Landschaftsschutzgebieten, 6 800 Hektar Wald in Naturwaldreservaten, 449 000 Hektar Wald in Natura 2000-Gebieten und 31 000 Hektar Wald in den Nationalparken. Hinzu kommen die gesetzlich geschützten Waldbiotope wie beispielsweise Auwälder, Schluchtwälder oder Orchideen-Buchenwälder. Schutz-, Bann- und Erholungswälder sind durch die Vorgaben des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG) besonders geschützt. Weitere großflächige Unterschutzstellungen oder Ausweisung von Gebieten mit natürlicher Waldentwicklung sind daher nicht notwendig.

Nutzen oder stilllegen?

Nachhaltigkeit wird mehr und mehr vom forstlichen Wirtschafts- zum globalen Überlebensprinzip. Der Dreiklang der Nachhaltigkeit aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem ist wichtig. Keine Säule darf überbetont werden, keine darf „hinten runterfallen“. Dies gilt auch für die Forstwirtschaft. Weltweite Megathemen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und der notwendige Ausstieg aus den fossilen Energien lassen die Bedeutung des nachwachsenden Rohstoffs Holz steigen. Die nachhaltige Nutzung der Wälder ist daher mehr denn je ein Zukunftsmodell.

Nachhaltige Waldnutzung sichert nicht nur Arbeitsplätze insbesondere im ländlichen Raum. Der integrative Ansatz in der Forstwirtschaft, d. h. eine nachhaltige und naturnahe Nutzung unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes und der Gesellschaft auf ganzer Fläche ermöglicht einen aktiven Klimaschutz. Holz ist ein CO2-neutraler Energieträger. Bei der Verbrennung wird nur die zuvor im Holzwachstum gespeicherte Menge an CO2 frei. Produkte aus Holz können langfristig direkt CO2 binden und zudem CO2 verursachende Rohstoffe substituieren. Die maximale CO2-Einsparung ist nur durch nachhaltige Nutzung von Holz möglich. Großflächige Stilllegungen sind daher für den Klimaschutz kontraproduktiv. CO2-Einsparung wirkt sich durch Abschwächung der klimatisch bedingten Veränderungen in den Lebensräumen positiv auf den Erhalt der biologischen Vielfalt aus.

Wie sieht es mit der genetischen Vielfalt im Wald aus?

Die Baumarten in unseren Wäldern werden weder systematisch gezüchtet noch geklont oder genetisch verändert. Naturnahe Forstwirtschaft erhält die Breite des natürlichen Genpools. Für die Anpassung an den Klimawandel wird uns das sehr zugute kommen. Der Erhalt der genetischen Vielfalt der Arten ist daher ein wichtiges Anliegen der heutigen Forstwirtschaft. Sie ist der entscheidende Faktor für die Stabilität und Ertragsfähigkeit von Waldökosystemen und deshalb auch von großer ökonomischer Bedeutung. Dies unterstreicht auch die hohe Zahl von registrierten Saatguterntebeständen. Zur Sicherung forstlicher Genressourcen unterhält das Bayerische Amt für Saat- und Pflanzenzucht (ASP) die Bayerische Forst-Genbank und züchtet seltene und gefährdete Baum- und Straucharten nach. Die Ausweisung von Generhaltungsbeständen und das Samenplantagenprogramm ergänzen diese Bemühungen.

Welche Wirkungen hat nachhaltige Forstwirtschaft?

Die konsequente naturnahe Bewirtschaftung unserer Wälder wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt in den Wäldern aus. Seit 1970 nimmt beispielsweise der Anteil alter Bäume und Bestände zu. So hat sich die Fläche der über 120 Jahre alten Bestände nach den Ergebnissen der Bundeswaldinventur seit 1971 auf rund 330 000 Hektar mehr als verdoppelt. In den letzten 40 Jahren ist der Anteil an Laubbäumen in Bayern um 10 %-Punkte auf 32 % gewachsen. Durch die naturnahe Waldwirtschaft gehören auch Totholz und Biotopbäume seit vielen Jahren zum gewohnten Erscheinungsbild unserer Wirtschaftswälder. Je Hektar Wald gibt es landesweit durchschnittlich etwa 13 Kubikmeter Totholz mit steigendem Trend. Dementsprechend positiv stellt sich die Situation der waldbewohnenden Vogelarten dar. Wie der Statusreport „Vögel in Deutschland 2008“ des Bundesamts für Naturschutz belegt, sind waldbewohnende Vogelarten zum überwiegenden Teil nicht gefährdet. Die günstige Erhaltungssituation der Waldvögel ist ein messbares Zeichen für die positiven Effekte und die ökologische Relevanz einer naturnahen Waldwirtschaft. Der naturnahe Waldbau vereint nachhaltige Nutzung im Wald mit ökologischer Aufwertung der Lebensräume zugunsten der Biodiversität.

Wie entwickelt sich die Waldfläche in Bayern?

Seit über 30 Jahren nimmt die Waldfläche in Bayern zu. Seit 1981 ist sie um rund 14 000 Hektar gewachsen. Das entspricht einer Fläche von über 20 000 Fußballfeldern. Der Walderhalt und erforderlichenfalls die Mehrung der Waldfläche ist seit langem ein bayerisches Anliegen. Aufgrund seiner großen Bedeutung für Natur und Gesellschaft ist es wichtig, dass die Waldfläche erhalten bleibt.

Was versteht man eigentlich unter biologischer Vielfalt im Wald?

Buchen-Schleimruebling-amerellerDie biologische Vielfalt beschreibt die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft in den drei Ebenen der Lebensraum-, Arten- und genetischen Vielfalt. Im Wald ist diese Vielfalt naturgemäß sehr groß und spiegelt sich besonders in den Vorkommen von charakteristischen Waldarten und Lebensräumen wider.

Was macht die biologische Vielfalt im Wald aus?

Die biologische Vielfalt in den Wäldern Bayerns ist vor allem durch die Vielfalt der vorkommenden Baumarten geprägt. Es kommen 62 verschiedene Baumarten vor. Hierunter befinden sich 18 seltenere Baumarten wie beispielsweise Elsbeere, Eibe und Moorbirke.

In Bayern sind 50 Waldgesellschaften typisch. Je nach Waldgesellschaft kommen dort 7 000 bis 14 000 Tier- und 4 000 bis 6 000 Pflanzenarten einschließlich Moose, Farne und Pilze vor. Gleichzeitig bieten diese vielgestaltigen Wälder einen hervorragenden Lebensraum für einzigartige Tierarten: So kommen die seltene Wildkatze oder das Haselhuhn ausschließlich in strukturreichen Wäldern vor.

Außerhalb des Waldes können solche Arten nicht überleben. Damit ist der Wald einzigartig.

Welche Bedeutung haben die Wälder in Bayern für die Biodiversität

Von Natur aus wäre fast ganz Bayern von Wäldern bedeckt. Diese würden je nach Standortbedingungen sehr unterschiedlich aussehen. Von daher ist die Bedeutung der Wälder für die Vielfalt der Lebensräume und Arten und für die genetische Vielfalt von Natur aus sehr hoch.

Wälder bieten einen vielfältigen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, in denen die überwiegende Mehrheit unserer landlebenden Arten heimisch ist. Für viele jagdbare Wildarten ist der Wald als Lebensraum von zentraler Bedeutung. Über ein Drittel der bayerischen Landesfläche ist bewaldet. Mit ihrer netzartigen Verteilung sind die Wälder ein natürlicher Biotopverbund und fördern den Austausch der Arten.

Kann die forstliche Bewirtschaftung Wald und Waldfunktionen verbessern?

Naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung kann zum Beispiel durch aktiven Waldumbau, durch das Einbringen und Fördern standortsangepasster Baumarten, das Nutzen biologischer Abläufe wie der Naturverjüngung und auch durch bewusste Totholzanreicherung im Rahmen der Bewirtschaftung die biologische Vielfalt gezielt fördern. Gerade die Bewirtschaftung führte und führt zu wertvollen Waldbeständen mit hoher Biodiversität.

Daneben gibt es Einzelmaßnahmen, etwa für besonders wertvolle Lebensräume. So werden Moorwälder seit Jahren durch gezielte Maßnahmen erhalten, gepflegt und renaturiert. Allein im Staatswald liegen rund 13 500 Hekrar Moorflächen. Die Bayerische Forstverwaltung hat hier in den Jahren 2008 und 2009 rund 170.000 Euro für Maßnahmen der Moorrenaturierung in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) investiert. Genau hier finden bedrohte, anspruchsvolle Tierarten wie Birkhuhn oder Auerhuhn einen geeigneten Lebensraum vor. Auch für andere ökologisch bedeutende Lebensräume im Staatswald wie beispielsweise Streuobstwiesen, Trockenstandorte oder Auwälder werden seit jeher Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Der Erhalt der vielfältigen Waldlebensräume Nieder- und Mittelwald, die sich insbesondere in Kommunalwäldern finden, durch aktive forstliche Nutzung wird ebenfalls von der Forstverwaltung besonders unterstützt. Durch das Vertragsnaturschutzprogramm -Wald (VNP-Wald) können sich alle Privatwaldbesitzer, über ihr oft großes vorhandenes Naturschutzengagement hinaus, aktiv am Erhalt der biologischen Vielfalt beteiligen.

Wie können Waldbesitzer die vielfältigen Funktionen ihrer Wälder fördern?

Waldbesitzer können durch konsequenten nachhaltigen und naturnahen Waldbau die biologische Vielfalt in ihrem eigenen Wald verbessern. Durch den Erhalt von Biotopbäumen und Totholz, den Aufbau von Waldrändern und Waldinnenrändern, den Erhalt von Strukturen und Offenbereichen kann jeder Waldbesitzer mit kleinen Maßnahmen viel für Biodiversität und Artenschutz leisten. Besonders seltene Tierarten wie Wildkatze oder Halsbandschnäpper profitieren davon. Einzelne Maßnahmen können im Rahmen des forstlichen Förderprogramms (WALDFÖPR 2007) oder des Vertragsnaturschutzprogrammes Wald (VNP-Wald) finanziell unterstützt werden. Beratung zu Fragen rund um die naturnahe Forstwirtschaft erhalten die Waldbesitzer bei den örtlichen Dienststellen der Bayerischen Forstverwaltung. Weitere Informationen und Ansprechpartner sind im Internet unter www.forst.bayern.de verfügbar.

Welche Rolle spielt Natura 2000 für die Leistungen des Waldes?

Natura 2000 ist das europäische Netzwerk aus sog. Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebieten („FFH- und SPA-Gebiete“), das europaweit rund 27 000 Gebiete zum Schutz von Lebensräumen und Arten umfasst. Mit dem Netzwerk soll ein entscheidender Beitrag zum Stopp des Artenverlustes und zum Erhalt der biologischen Vielfalt Europas geleistet werden. Bayern hat 11,35 % der Landesfläche als Natura 2000 Fläche gemeldet. Mit einer Fläche von rund 450 000 Hektar und einem Anteil von 56 % spielt Wald in den 745 Gebieten eine besondere, flächendominante Rolle. Dies verdeutlicht die hohe Naturschutzqualität der bayerischen Wälder. Durch die pflegliche und nachhaltige Bewirtschaftung der heimischen Wälder haben die bayerischen Waldbesitzer einen entscheidenden Anteil daran, dass Lebensräume wie Buchen-, Eichenwälder und Moore erhalten bleiben und Arten wie Bechsteinfledermaus, Eremitenkäfer und Schwarzspecht Lebensraum bieten. Somit können die „Juwelen bayerischer Waldnatur“ als europäisches Naturerbe auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Was tun die Bayerischen Staatsforsten für die Vielfalt im Wald?

Nach den Vorgaben des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG) ist der Staatswald vorbildlich zu bewirtschaften. Dies beinhaltet auch, dass die Belange des Naturschutzes und der Jagd bei allen forstlichen Maßnahmen, ebenso wie die Bestandssicherung ganzjährig geschonter Wildarten berücksichtigt werden. Das Unternehmen Bayerische Staatsforsten (BaySF) kommt diesem Auftrag in vielerlei Weise nach. So bilden das Naturschutzkonzept, die Waldbaugrundsätze sowie das Totholz- und Biotopbaumkonzept und die zahlreichen Naturwaldreservate der BaySF einen in Deutschland einzigartigen, verbindlichen Rahmen. Beispielsweise wurden konkrete Totholzmengen für die jeweiligen Altersklassen der Waldbestände festgelegt. So entstehen wertvolle Verstecke und Nahrungsquellen für zahlreiche Tierarten, beispielsweise Baummarder oder Mittelsprecht. Der integrative Ansatz im Waldnaturschutz führt so zu einer besonderen ökologischen Qualität und Vielfalt zahlreicher Staatswälder.

Sind Jagd und Sicherung von biologischer Vielfalt nicht ein Widerspruch?

Jagd und Biodiversität sind kein Widerspruch: Indem die Jagd angepasste Wildbestände schafft, sichert sie die natürliche Verjüngung und Biodiversität der Wälder, erhält die Lebensgrundlagen des Wildes und beugt Gefahren vor, wie beispielsweise Seuchen und Wildunfällen. Die Jagd setzt somit das Prinzip der nachhaltigen Nutzung praktisch um. Zudem schließt die Jagd auch die Verantwortung für Wildarten ein, auch für solche ohne Jagdzeit. Jäger engagieren sich beispielsweise beim Schutz von Auerhuhn, Birkhuhn und Wildkatze.

Forstcast - Waldradio

Banner