Gabriele Ganz - Die Wald-Gestalterin

Gabriele Ganz nutzt ihre unternehmerische Freiheit mit ästhetischem Feingefühl. Allerorten findet man in ihrem Wald unter dem Schirm der Altbäume Naturverjüngung. Laubgehölze sind entschieden auf dem Vormarsch und machen im nachwachsenden Bestand heute bereits über 30 Prozent aus. Dabei ist sie Autodidaktin!

  • Betrieb: 170 Hektar
  • Baumarten: Altbestand: 51% Fichte, 14% Kiefer und Lärche, 3% Tanne, 21% Buche, 2% Eiche und 9% Edellaubholz und sonstige Laubhölzer
  • Jungwuchs: 35% Fichte, 12% Kiefer und Lärche, 10% Tanne, 29% Buche, 3% Eiche und 11% Edellaubholz und sonstige Laubhölzer
  • Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim i. Obb.
  • Landkreis: Weilheim-Schongau
  • Naturraum: Westliche kalkalpine Jungmoräne

Gründe für die Auszeichnung

Gabriele Ganz strebt konsequent einen stabilen Vorrat an. Sie führt alle waldbaulichen Maßnahmen unter besonderer Berücksichtigung der hohen Bedeutung des Waldes für Naturschutz und Erholungsverkehr durch.

Ein stolzes Erbe

Die Osterseen südlich des Starnberger Sees sind ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für die Münchner. Vielerorten mutet der Landstrich wie aus einem Guss an, denn sein Geschick lag 150 Jahre lang mehr oder weniger in einer Hand. Um 1860 hatte sich hier die Industriellenfamilie Maffei niedergelassen. Das schützte die Landschaft vor Siedlungsdruck und Tourismusindustrie. 1981 konnte sie in weiten Bereichen unter Naturschutz gestellt werden. Heute bewirtschaftet Gabriele Ganz ein beträchtliches Stück dieses schönen Flecken Erde. Sie ist Miterbin der Seen und Eigentümerin eines großen Teils der umgebenden Waldungen. Und sie leistet ganze Arbeit. Nach den Stürmen der 90er Jahre war circa ein Drittel der Waldfläche massiv in Mitleidenschaft gezogen. 20 000 Festmeter Holz waren auf einen Schlag zu verwerten. Täglich fuhr sie damals von München aus in ihren Wald, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Dringend darauf angewiesen, ihr Waldwissen zu erweitern, fand sie im pensionierten Förster Adolf Schullan einen leidenschaftlichen Lehrer, der ihr entscheidend weiterhalf, um den Wald widerstandsfähiger zu machen und für die Zukunft umzubauen.

Mit Phantasie und Feingefühl

Auch zu ihrem Jagdaufseher Manfred Reif, der sich bereits seit 50 Jahren um den Familienwald kümmert, hat sie ein freundschaftliches Verhältnis. Zwar gibt es einige Zäune im Revier, jedoch nur zum Schutz des Waldes. Die meisten Jungpflanzen brauchen keinen gesonderten Schutz. Franz Schmidt, der sie heute als zuständiger Förster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betreut, spricht mit großem Respekt über das Engagement von Gabriele Ganz: „Wie achtsam jemand mit dem Wald umgeht, zeigt eben auch, ob er sich selbst etwas wert ist.“

Gabriele Ganz ist eine Waldgestalterin. Vielversprechende Eichen stellt sie frei, alte stattliche Buchen werden erhalten, ebenso geeignetes ‚Totholz’. Für die vielen Vögel, Insekten und Baumpilze. Unter die Naturverjüngung pflanzt sie, wo es passt, auch seltenere Baumarten wie Wildkirsche, Elsbeere oder Eibe. Junge Tannen schützt sie schon mal vor Verbiss, indem sie Schafwolle um die Spitzen der Triebe wickelt. Liebe zum Detail, zu jedem einzelnen Baum, ist für sie tägliche Praxis. An exponierten Uferstellen öffnet Gabriele Ganz „Sichtfenster“ zum See hin. Sie entnimmt gezielt einzelne Bäume, so hat, wer hier auf den gut gepflegten Wegen durch den Wald stromert, einen schönen Blick über das Wasser. An den Wegrändern sorgen vielerlei Sträucher für Abwechslung. Was alles machbar ist, haben ihr nicht zuletzt ihre zahlreichen Exkursionen in andere Wälder gezeigt. Nicht alles lässt sich in ihren Wälder verwirklichen, aber sie hat Freude am Experimentieren.

Für die Zukunft ist Gesorgt

Für ihre ästhetischen Ansprüche ist eine konsequente selektive Waldwirtschaft das adäquate Mittel. Sie zeichnet die Bäume aus, die Arbeit sowie der Verkauf werden über die Waldbesitzervereinigung Weilheim abgewickelt. Das Brennholz geht an Selbstwerber aus der Region. In der intensiven Umbauphase, in der sich der Wald momentan befindet, geht die wirtschaftliche Bilanz gerade so auf. Was sie jetzt investiert, wird sich aber in Zukunft rechnen. Das ist ihr wichtig. Sie möchte das Familienerbe der nächsten Generation in gutem Zustand übergeben. Daher ist sie froh, dass einer der drei Söhne ihre Leidenschaft teilt und den Wald übernehmen wird. Gabriele Ganz jedenfalls hat ihre Berufung gefunden. Viele, die in ihrem Wald Abwechslung und Erholung suchen, werden es ihr in Zukunft noch mehr als heute danken.

Links:

Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009

Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

Forstcast - Waldradio

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