Stadt Traunstein - Im Licht der Wissenschaft
Im Jahr 1949 hat alles begonnen. Damals übernahm der Münchner Professor Nikolaus Köstler die forstliche Leitung in der Stadtverwaltung. Seinerzeit Visionär setzte er entschieden auf eine naturnahe Waldwirtschaft. Dieser Tradition blieb die Stadt Traunstein treu, und die Geschichte gab ihr recht.- Betrieb: ca. 600 Hektar
- Baumarten: Altbestände: 58% Fichte, 14% Tanne, 2% Kiefer, 16% Buche, 1% Eiche, 9% Edellaubholz
- Jungwuchs: 16% Fichte, 11% Tanne, 2% Douglasie, 2% Eiche, 30% Buche, 19% Edellaubholz, 21% sonstige Laubhölzer
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein
- Landkreis: Traunstein
- Naturraum: Voralpine Molassezone
Gründe für die Auszeichnung
Die Stadt Traunstein hat jahrzehntelang den Laubholzanteil kontinuierlich angehoben, die Verjüngungssituation verbessert und ihre Waldbestände zielgerichtet gepflegt sowie konsequent eine gute Feinerschließung angelegt.
Ein Standort von Bedeutung
„Mit seiner ökonomischen, ökologischen und sozioökonomischen Mischwaldwirtschaft ist Deutschland heute ein sehr gefragter Kompetenzträger.“ so Professor Hans Pretzsch. Er ist Forstwissenschaftler in Weihenstephan und der Leiter des städtischen Forstamts. Der Traunsteiner Wald liefert der internationalen Forschung wertvolle Daten. Auch vor Ort ist die wissenschaftliche Arbeit eine echte Entwicklungsressource.
Traunstein, auf einem Felsen über der Traun gelegen, verfügt bereits seit dem 16. Jahrhundert über Waldbesitz. Von ursprünglich 360 Hektar ist er auf heute auf circa 600 Hektar angewachsen. Die größten Flächen begrenzen die Stadt im Norden und im Osten. Kleinere Distrikte gibt es im näheren Umkreis und zehn Kilometer entfernt noch den Froschhamer Wald.
Die Stadt ist das Schul-, Verwaltungs- und Einkaufszentrum des Chiemgau. Kaum ein Tourist, der während seines Aufenthaltes im Chiemgau nicht einen Abstecher in die Stadt macht. Für die städtischen Wälder hat die Attraktivität der wunderbaren Landschaft zwischen Chiemsee, Salzburg, Inzell und Waginger See aber Folgen, die bewältigt werden wollen. Wichtige Verkehrswege müssen vor dem Wald geschützt werden, und umgekehrt. Während der Wald im Osten vor Siedlungs- und Gewerbedruck bewahrt bleibt, musste der Haidforst im Norden Flächen abgeben. Mit Neuankäufen und Aufforstungen wurden die Verluste aber wettgemacht.
Erholung für Naturfreunde
„In den letzten Jahren hat die Nutzung als Naherholungsraum deutlich zugenommen“ – für Gerhard Fischer, den Förster der Stadt, ist es selbstverständlich, den Bürgern einen bestmöglichen Erholungsraum in der Natur zu schaffen. Ein engmaschiges Wegenetz, Kneippanlagen, Trimm-Dich-Pfade und ein Waldlehrpfad locken in den Wald. Für Kinder gibt es einen Waldkindergarten. In einem 18 Hektar großen Teil des Langhaider Forstes lernen und erleben Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit Flora und Fauna, beispielsweise in ihrem Grünen Klassenzimmer im Wald, auf Waldbegängen oder beim Kartieren von Spechtbäumen.
60 Hektar sind nach der Europäischen Richtlinie Natura 2000 geschützt, kleinere Bereiche sind per Vertragsnaturschutz ganz aus der Nutzung genommen. Andere sind als Boden- und Immissionsschutzgebiete ausgewiesen oder bedürfen besonderer Pflege zum Schutz der Quellen und Bachläufe. Versumpfte Flächen bleiben unberührt, bereits verlandete Feuchtbiotope wurden wiederhergestellt. Totes Holz bleibt, soweit möglich, im Wald. Vor allem an den Waldrändern gibt es für Kleintiere und Vögel ausgedehnte Strauchflächen. Aber auch das historische Erbe des Ziegeltonabbaus wird pfleglich erhalten.
Waldpflege mit Herz und Verstand
Über den jahrzehntelangen Waldumbau ist auf dem Weg zu einer optimalen Baumartenmischung und plenterartigem Aufbau heute bereits viel erreicht. Das Wege- und Feinerschließungsnetz ist bestens ausgebaut. Der Voranbau mit Schattbaumarten ist weitgehend abgeschlossen. Der Anteil der Fichte ist auf 47 Prozent abgesenkt worden, die reinen Fichten-Altbestände zum Großteil geerntet. Der Jahrzehnte währende Rückgang der Tanne ist umgekehrt, der Laubholzanteil konnte von 14 auf heute 40 Prozent gesteigert werden: Darunter befinden sich 19 Prozent Edellaubhölzer.
1998 haben die Förster die Jagd in Eigenregie übernommen. Seitdem braucht es Zäune nur noch selten. In mindestens 80 Prozent aller über 60-jährigen Bestände gibt es heute eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und gut differenzierte Verjüngung. Wertträger werden begünstigt und viel versprechende Zukunftsbäume sorgfältig geastet. Die Holzernte erfolgt motormanuell und Selbstwerber helfen, die Pflege in den jüngeren Beständen kostengünstig zu erledigen.
Für die Zukunft hat sich die Stadt Traunstein vorgenommen, den Wert ihrer Waldbestände weiter zu steigern. Heute verzeichnet die Stadt ein, wenn auch durchschnittliches, aber positives Betriebsergebnis von jährlich circa 35.000 Euro. Das lässt erahnen, was in Zukunft möglich sein wird.
Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

