Johann Bürgermeister der "Anthollinger"- Respektierter Vorkämpfer
Ganz gleich, ob man den Säger an der Donau fragt, den örtlichen Forstdirektor oder sonst jemanden – Johann Bürgermeister hat sich einen Namen gemacht in seiner Heimat. Keiner hat so früh begonnen, seinen Waldbesitz intensiv zu pflegen. Keiner hat sich so entschieden ans Werk gemacht, den Wald naturnah umzubauen, wie „der Anthollinger“.- Betrieb: circa 6,7 Hektar
- Baumarten: Vor 20 Jahren: 85% Fichte, 15% Laubhölzer, vor allem Esche, Erle und einzelne Eichen; Heute: 45% Fichte, 25% Tanne, 30% Laubhölzer, vor allem Esche, Ahorn, Rotbuche, Schwarzerle und Kirsche
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Passau-Rotthalmünster
- Landkreis: Passau
- Naturraum: Vorderer Bayerischer Wald
Gründe für die Auszeichnung
Johann Bürgermeister hat seinen Wald konsequent in einen artenreichen Mischwald umgebaut, der sich in einem ausgezeichneten Pflegezustand befindet und vorbildlich mit Rückegassen erschlossen ist. Er engagiert sich mit ausgeprägtem Gemeinsinn für eine nachhaltige Forstwirtschaft.
Mit Freude für den Wald
Unter dem Namen seines Hofes, der erstmals 1456 urkundlich erwähnt ist, ist Johann Bürgermeister ein bekannter Mann in der Region. Der Hof Antholling liegt nur wenige Kilometer oberhalb der Donau, südöstlich von Vilshofen, nahe Windorf. Die Landschaft des Vorderen Bayerischen Waldes ist kleinteilig strukturiert, mit etwa einem Drittel Wald. Antholling wirkt mit seinen Wiesen und von Wald umsäumt wie eine geschützte Insel. Viele Blumen, ein schönes Haus, ein lebhafter Hund heißen die Gäste des lebensfrohen Rentnerehepaars Maria und Johann Bürgermeister willkommen.
Schon früh hatte bereits der Vater von Johann Bürgermeister begonnen, mehr Laubbäume in seinem Wald heranwachsen zu lassen. Während Johann Bürgermeister die Landwirtschaft über die Jahre wegen stetig abnehmender Rentabilität immer weiter zurückfuhr, bis er sie 1991 ganz einstellte, blieb er seinem Wald treu. Systematisch treibt er seit inzwischen über 20 Jahren dessen Umbau voran. Heute sind von einstmals gut 85 Prozent Fichten nur noch 45 Prozent übrig. Dafür gibt es jetzt 35 Prozent Laubbäume,der Rest sind junge Tannen, die sich geradezu explosionsartig vermehren.
Auch Ahorn und Esche gedeihen prächtig oder vereinzelt Kirschen, Nussbaum und Eichen. Da es weit und breit keine alten Buchen gibt, die als Saatbäume dienen könnten, helfen hier bisher nur Pflanzungen weiter.
Leidenschaftlicher Einsatz
Sanft, aber entschieden treiben Maria und Johann Bürgermeister den Waldumbau voran. Sie haben ihr „Holz“ mit Rückegassen erschlossen und halten sie in einem ausgezeichneten Zustand. Trotz dem sie beim Einschlag Kahlflächen vermeiden, erreichen sie mit 10 Festmetern pro Hektar und Jahr einen überdurchschnittlichen Nutzungssatz. Etwa 50 Festmeter Stammholz erwirtschaften sie jährlich sowie an die 15 Festmeter Brennholz. Damit beliefern sie sogar die Glockengießerei Perner in Passau, die ganz besondere Ansprüche an die Qualität des Brennholzes hat.
Auf Antholling wird darauf geachtet, dass immer mehr nachwächst, als eingeschlagen wird. Dennoch bringt ihnen der Wald ein schönes Zubrot zur Rente ein. Aber es ist viel Arbeit, zumal sie auch die 5 Hektar Wald ihrer Tochter bewirtschaften. Sie erledigen alle Arbeiten selber, mit Motorsäge, Schlepper und Seilwinde. Und das ist wegen der Steillagen des Waldes nicht ganz einfach. Bei all dem hat sich seine Frau „narrisch verdient gemacht“, freut sich Johann Bürgermeister. Schade findet er nur, dass er das Ziel seiner Mühe, den fertigen, in allen Altersklassen natürlich nachwachsenden Plenterwald selbst nicht mehr erleben wird.
Nachhaltiger Erfolg
Johann Bürgermeister würde es sehr gefallen, wenn er auf Zäune zum Schutz der Jungpflanzen verzichten könnte. Zwar gehen die Schäden aufgrund von Wildverbiss in seinem Wald bereits zurück, aber von einem natürlichen Gleichgewicht zwischen Wachstum und Wildbestand ist er nach seinem Geschmack noch zu weit entfernt. Deswegen engagiert er sich mit Nachdruck in der Jagdgenossenschaft für sein Motto: Wald vor Wild. Auf den regelmäßigen Waldbegängen mit den ortsansässigen Jagdpächtern gibt es da schon mal deutliche Worte. Sein Anliegen findet aber mehr und mehr Anerkennung. „Ich habe zeitig erkannt, dass man einen guten Wald braucht,“ sagt er, „zum Atmen, zum Schutz des Wassers, als Rohstoff oder Energielieferant“. Sich dafür einzusetzen, erscheint Johann Bürgermeister ganz selbstverständlich. „Wenn es der Allgemeinheit gut geht, geht es auch mir gut.“ Das hat ihn zu einem anerkannten Vorbild nicht nur in der Region gemacht.Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

