Sebastian Aichner - Unabhängigkeit gegenüber dem Zeitgeist
Nicht erst die Stürme des Jahres 1990, „Vivian“ und „Wiebke“, belehrten Sebastian Aichner, wie dringend der Umbau des Waldes in baumartenreiche, klimatolerante und standortgerechte Mischwälder ist. Bereits viel früher, als noch keiner daran dachte, begann er, Artenvielfalt und natürliche Waldverjüngung gezielt zu fördern.- Betrieb: circa 11 Hektar
- Baumarten:
Altbestände: 50% Fichte, 30% Kiefer, 8% Lärche, 7% Tanne, 5% Laubhölzer
Jungbestände: 45% Fichte, 15% Tanne, 2% Kiefer, 8% Lärche, 4% Douglasie, 8% Buche, 8% Ahorn, 5% Esche, 5% Eiche
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landau
- Landkreis: Dingolfing-Landau
- Naturraum: Niederbayerisches Tertiäres Hügelland
Gründe für die Auszeichnung
Sebastian Eichner hat seit circa 50 Jahren seine Waldbestände intensiv und kontinuierlich gepflegt und Mischbaumarten eingebracht. Darüber hinaus ist sein hartnäckiges Ringen um waldverträgliche Wildbestände und Verbesserung der Äsung in der Feldflur besonders vorbildlich, wofür er bereits 2007 mit dem Wald-Wild-Preis im Landkreis Dingolfing-Landau ausgezeichnet wurde.
Eine intensiv genutzte Landschaft
Auf dem Wege von Vilshofen durchs Tal der Vils nach Marklkofen südlich von Dingolfing ist nur wenig Wald zu sehen. Vor allem springt die intensive landwirtschaftliche Nutzung ins Auge. Nur 20 Prozent der Fläche sind von Wald bedeckt. Ihm bleiben fast nur die Hanglagen, die für die Landwirtschaft entweder zu karg oder zu steil sind. Viele der Höfe werden im Nebenerwerb bewirtschaftet. Ein bedeutender Arbeitgeber Marklkofens ist zum Beispiel das BMW-Werk in Dingolfing. Die Landwirte suchen aber auch nach neuen Einkommensquellen. So werden etwa auf dem Siglhof, seit 300 Jahren Sitz der Familie Aichner, keine Nahrungsmittel mehr angebaut, sondern Mais, Grünroggen und Sudangras für die Biogasproduktion.
Mit Leidenschaft für seinen Wald
Vor längerem schon hat Sebastian Aichner die Landwirtschaft an einen seiner vier Söhne übergeben, die Nutzungsrechte für den Wald liegen jedoch noch bei ihm. Er selbst hatte den elterlichen Hof 1963 übernommen, und sein Wald lag ihm von Anfang an besonders am Herzen. Er begann, die zu jener Zeit übliche einförmigen Struktur des Waldes umzubauen. Gute Vorbilder gab es kaum, aber jede Menge Wissensbedarf. Wiederholte Fortbildungskurse halfen weiter. Entscheidend war aber seine Lust am autodidaktischen Experimentieren.
Im Altbestand sind die Fichten und Kiefern inzwischen reduziert worden. Über die Jahrzehnte hat Sebastian Aichner kontinuierlich die Naturverjüngung gefördert. Zusätzlich pflanzte er Bergahorn, Esche, Buche, Lärche und Douglasie sowie Eichen und am Waldrand Wildkirschen und Hainbuchen. Heute prägen bereits 28 Prozent Laubbäume seinen Wald, und zwar über alle Altersklassen. Seit rund 20 Jahren misst er regelmäßig den Zuwachs. Die Ergebnisse bestärken ihn laufend in seiner nachhaltigen Pflege und Durchforstung der Bestände. Längst im Ruhestand arbeitet Sebastian Aichner noch immer täglich in seinem Wald. Außerdem kümmert er sich in seiner Funktion als stellvertretender Ortsobmann der WBV Reisbach darum, dass sein Beispiel Schule macht.
Waldbesitzer und Jäger ziehen an einem Strang
Circa 40 Jahre war Sebastian Aichner Vorstand der Jagdgenossenschaft Marklkofen. Vielleicht hat er in diesem Bereich sogar seinen größten Erfolg erzielt. Für den örtlichen Jagdpächter Herrmann Winkler und für den jetzigen Jagdvorsteher Peter Eisgruber-Rauscher war er schlicht ein Glücksfall. Sein Engagement für die Biotopverbesserung wurde 2005 mit dem Naturschutzpreis und 2007 mit dem Wald-Wild-Preis des Landkreises Landau-Dingolfing ausgezeichnet. Während andernorts zwischen den Belangen von Wald und Wild noch immer gefochten wird, arbeiten hier Jagdpächter und Waldbesitzer Hand in Hand zusammen, um dem Wald seine Chance zu natürlicher Verjüngung zu geben und zugleich den Lebensraum für die freilebende Tierwelt zu verbessern. Flora und Fauna gehören schließlich zusammen. Mit der gezielten Abschussstrategie nach dem Motto „innen jagen, draußen schonen“ haben Waldbesitzer und Jagdpächter den Wildbestand gut unter Kontrolle. Außerdem wurden Hecken und Obstbäume gepflanzt und Wildäcker angelegt, die den Tieren auch außerhalb des Waldes Deckung und Äsung bieten. So ist der Verbiss auf ein kaum mehr waldschädliches Maß zurückgegangen.
Sebastian Aichner hat, so Hermann Winkler, „Nachahmer gefunden und Entwicklungen angestoßen, die über die Jagdgrenzen hinausgehen“. Wie der frühere Sprecher der niederbayerischen Jagdvorsteher, Albert Menacher feststellte, sind „die Wälder von Marklkofen denen in anderen Gebieten um 20 Jahre voraus“.
Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

