Korporation Wolfsberg - Gemeinschaft macht stark

Manchmal muss in der Korporation um den rechten Weg oder die Verteilung der Aufgaben auch gestritten werden, doch die jährliche Generalversammlung endet regelmäßig in einem heiteren Festessen. Die 35 Mitglieder haben Freude an ihrer gemeinsamen Leistung. Zu Recht.

  • Betrieb: 130 Hektar
  • Baumarten:
    Altbestände: 44% Fichte, 10% Kiefer, 3% Lärche, 1% Tanne, 35% Buche, 4% Ahorn, je 1% Eiche, Esche und sonstiges Laubholz
    Jungbestände: 36% Fichte, je 2% Tanne, Kiefer und Lärche, 43% Buche, 9% Ahorn, 3% Esche, 3% sonstiges Laubholz
  • Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg
  • Landkreis: Forchheim
  • Naturraum: Nördliche Frankenalb und Oberpfälzer Jura

Gründe für die Auszeichnung

Die Kooperation Wolfsberg bewirtschaftet beispielhaft einen funktionierenden Gemeinschaftswald. Sie organisieren ihre Hiebsmaßnahmen fachkundig und bestandesschonend, pflegen engagiert die Naturverjüngungen, um zukunftsfähige Mischungen zu erhalten sowie eine hochwertige und stabile Bestockung
zu erziehen.

Auf die Einstellung kommt es an

Im Naturpark Fränkische Schweiz gibt es einen kleinen Ort, Obertrubach, benannt nach der Trubach, die dort entspringt. In einem trockenen Seitental erstreckt sich das Waldgebiet der Korporation Wolfsberg, die im Jahr 1857 gegründet wurde. Das Gebiet umfasst 130 Hektar zusammenhängende Waldfläche, die die heutigen Eigner als Korporation auf ganzer Fläche gemeinsam bewirtschaften. Ab und an scheidet einer aus der Gemeinschaft aus, weil er seine Anteile verkauft. Interessenten gibt es genug. Kommen sie nicht aus den eigenen Reihen, wird jedoch nur aufgenommen, wer Leidenschaft und Überzeugungen der Mitglieder teilt.

Mit Plan und Umsicht

Die meisten Mitglieder der Kooperation sind Nebenerwerbslandwirte. Trotz der beruflichen Doppelbelastung kümmern sie sich mit großem Einsatz um ihren gemeinschaftlichen Wald sowie die 2 bis 5 Hektar im privaten Besitz. Und zwar systematisch. Ein Forstwirtschaftsplan wurde aufgestellt. Regelmäßig finden Motorsägen- und Pflegekurse statt, die Beratung der staatlichen Forstbehörden wird intensiv in Anspruch genommen und manch einer engagiert sich in der Leitung der örtlichen Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse. Fast alles, was anfällt, machen sie selbst. Problematische Hiebe und Pflege in schwierigen Jungbeständen werden von einem Spezialtrupp aus den eigenen Reihen durchgeführt. Und was am Ende herauskommt, teilen sie untereinander gemäß ihren Anteilen auf.
Vor 35 Jahren wurde der Wald mit Forststraßen erschlossen. Im Laufe der letzten zehn Jahre kam im Zuge der zunehmend konsequenten Pflege der Jungbestände sowie der Hiebmaßnahmen auch noch ein perfektes Rückegassensystem hinzu. Die Kahlschlagwirtschaft wurde eingestellt.1995 hat die Kooperation die Jagd in eigener Regie übernommen. Sie verzichtete auf die Jagdpacht und betraut nur noch Jäger, die ihr Handeln auf die Bedürfnisse des Waldes ausrichten. Schon wenige Jahre später konnten sie den letzten Zaun endgültig abbauen. Eine große Erleichterung, denn Zäune sind bei den Hiebmaßnahmen oft hinderlich, bedürfen ständiger Reparatur und erfüllen ihren Zweck meist nur mäßig.

Die rechte Mischung macht’s

Ziel der Waldbaumaßnahmen ist es, die Bestände konsequent zu durchmischen, nach Arten und nach Alter. Zudem will die Kooperation einen möglichst hohen Anteil an Wertholz erreichen, weswegen sie sogenannte ‚Überhälter‘ besonders pflegt. Wo nötig, wurden Douglasien oder Lärchen angepflanzt und ein paar Fichten dort, wo sie ganz fehlten. Im Allgemeinen wird die Fichte wie die Kiefer zugunsten eines höheren Laubholzanteils eher zurückgenommen. Letztlich geht es aber darum, eine flächendeckende Naturverjüngung in Gang zu bringen. Deswegen erhöht die Kooperation mit gezielter Auslese den „Lichtgenuss“ im Wald. Ein Vorbau an Laubholz ist nicht mehr nötig. Aufgrund der Pflege- und Femelhiebe ist in den Beständen die natürliche Verjüngung flächig in bunter Mischung aufgelaufen. Mit großem Sachverstand werden die Jungbestände gemäß den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Baumarten gepflegt. Und außerdem: die seit 2003 auftretenden Borkenkäfer an Fichten haben sich nicht ausbreiten können.
Besonders intensiv hat sich die Korporation mit der Fälltechnik auseinandergesetzt. Revierförster Stefan Ludwig sagt: „Mustergültig“, wie es hier gelingt, „die enorme Herausforderung der Hiebsführung über der Verjüngung zu bewältigen.“ Hier geht wirklich nichts unnötig kaputt. Das Ergebnis sind circa 50 Prozent Brennholz, das die Korporateure selbst verbrauchen, 50 Prozent Langholz gehen an die örtlichen Säger oder werden versteigert. Die Zukunftsaussichten der Kooperation sind vielversprechend.

Links:

Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

 

 

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