Harald Gerngross - Der Waldpolitiker
In der Lebensdauer des Waldes gerechnet, hat Harald Gerngroß quasi erst gestern ein Stück Ackerland gekauft. 1,5 Hektar sind es, rundum von Wald umgeben. Er hat es wieder aufgeforstet, um es „dem Wald zurück zu geben“, wie er sagt. – Da mit hat er sich einigen Respekt erworben in der Region!
- Betrieb: 3 Hektar
- Baumarten:
Altbestände: Keiner
Jungbestände: 55% Ahorn, 14% Buche, 10% Eiche, 2% Kirsche, 15% Fichte, 3% Weißtanne, 1% Lärche
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth
- Landkreis: Roth
- Naturraum: Naturpark Altmühltal
Gründe für die Auszeichnung
Harald Gerngroß engagiert sich für eine vorbildliche Wieder- und Neuaufforstung sowie Pflege eines qualitativ und ökologisch vielversprechenden Zukunftswaldes. Er übernimmt eine wichtige regionale Vorreiterfunktion mit seinem hohen Maß an Gemeinsinn und indem er erfolgreich Waldbesitzerschulungen organisiert.
Das Herz am rechten Fleck
Nördlich von Greding liegt in einem weit geschwungenen Tal ein schmuckes Dorf, Obermässing. Haupterwerbslandwirte gibt es hier keine mehr. Viele, die hier leben, genießen als Pendler die Vorzüge der Natur und arbeiten in Nürnberg oder Ingolstadt. So auch Harald Gerngroß, der als Wirtschaftsinformatiker in einem großen Konzern tätig ist. Seine Freizeit verbringt er jedoch gerne in heimatlichen Gefilden. Und seit 10 Jahren vorzusgweise in seinem Wald.
Aufforstung nach Plan
Einen halben Hektar Wald hatte er von seinem Vater geerbt. Heute besitzt er insgesamt 3 Hektar, und es werden mehr werden. Bis vor zwei Jahren waren 10 Prozent davon noch Altbestand. Seit dem Sturm Emma im vergangenen Jahr gibt es nur noch Jungwuchs. Zur Aufforstung seiner 1,5 Hektar großen Ackerfläche wurde ein "Kulturpflanzplan" erstellt. Danach beauftragte Harald Gerngroß eine Firma, insgesamt 7 000 Pflanzen überwiegend gruppenweise maschinell anzupflanzen: 80 Prozent Laubhölzer wie Ahorn, Buche, Eiche und Kirsche, der Rest Nadelhölzer wie Fichte, Lärche und Weißtanne. Harald Gerngroß lernt laufend dazu. Anfangs setzte er noch mehr auf die Fichte, heute konzentriert er sich auf klimastabilere Baumarten. Von vornherein hat er die nötige Feinerschließung seiner Waldfläche mit Rückegassen mitgeplant.
Leicht ist es nicht, junge Bäume ohne den Schirm eines Altbestandes aufwachsen zu lassen. Deshalb brauchen sie besondere Pflege. Ein Boden, der lange als Acker gedient hat, taugt danach nicht gleich gut auch als Waldboden. Harald Gerngroß hat mit Magnesium den Säuregehalt des Bodens verbessert, im Sommer tritt er rund um die Pflanzen das Gras nieder, im Herbst muss er den Mäusen zu Leibe rücken, winters schlägt er den schweren Schnee von den Ästen. Er beobachtete dabei genau den Wuchs seiner Pflanzen. Schließlich sollen sie einmal Wertholz liefern. Und was er jetzt richtig macht, kommt den nächsten Generationen zugute. So wächst der junge Mischwald heran, geschützt von einem Zaun. Zwar ist laut Förster Josef Adam das Verhältnis zwischen Wald und Wild in der Region eigentlich in Ordnung, doch Harald Gerngroß will für seine jungen Bäume kein unnötiges Risiko eingehen.
Mit gutem Rat zum Erfolg
Als Harald Gerngroß sich entschloss, Waldbauer zu werden, war ihm klar, dass er mit Enthusiasmus allein nicht weit kommen würde. Einen Wald zu pflegen, braucht ein hohes Maß an fachlicher Professionalität. Aber in den Förstern des Rother Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), die hier die Privatwälder betreuen, hatte er von Anfang an eine tatkräftige Unterstützung. „Was Förster Josef Adam sagt, ist Evangelium“, sagt er und lächelt. Aber man merkt, er meint das ernst. Mit ihm hat er die langfristige Strategie für seinen Wald entworfen. Von ihm erhält er die für den jeweiligen Entwicklungsstand passenden Pflegetipps.
Sein Wald macht Harald Gerngroß Freude. Seine Augen strahlen, wenn er von ihm spricht. Es begeistert ihn zu sehen, wie er wächst und er ist fasziniert, die unterschiedlich schnelle Entwicklung der einzelnen Laubund Nadelbäume zu erleben. Aber er ist auch ‚Politiker’ „Wenn wir hier heute nichts machen, wie sieht es dann in Zukunft aus?“ Seit 1996 sitzt er im Gredinger Stadtrat. Mit vollem Einsatz engagiert er sich im Landwirtschafts- und Umweltausschuss. Besonders am Herzen liegt ihm natürlich der Wald. Er hat gemeinsam mit dem AELF sehr gut besuchte Waldbesitzerschulungen organisiert. Seine Neuaufforstung hat daher in der Region bereits Nachahmer gefunden. Alles, damit die Natur eine attraktive Zukunft hat – für die Menschen, die hier leben.
Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

