Stadt Fürth - Schönheit zählt im Bürgerwald
Bis ins 16. Jahrhundert bestand der Fürther Stadtwald zu 80 Prozent aus Laubwald. Nach dem 2. Weltkrieg gab es auf inzwischen übersäuerten, schlechten Böden fast nur noch schnellwachsendes und anspruchsloses Nadelholz, Kiefern vor allem und Fichten. Heute ist der Wald ein Vorbild an ästhetischem Genuss, Naturschutz und nachhaltiger forstlicher Entwicklung.
- Betrieb: 560 Hektar
- Baumarten:
Altbestände: 78% Kiefer, 8% Fichte, 5% Eiche, 3% Buche, 3% sonstiges Nadelholz, 2% sonstiges Laubholz
Jungbestände: circa 70% Laubholz, 30% Nadelholz
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth
- Landkreis: Fürth
- Naturraum: Fränkischer Keuper und Albvorland
Gründe für die Auszeichnung
Die Stadt Fürth hat ihre Kiefernreinbeständen kontinuierlich in standortgerechte Misch- und Laubwälder umgebaut sowie mit langjähriger Pflege ertragreiche Waldbestände geschaffen. Darüber hinaus ist ihr besonderer Einsatz für den Naturschutz vorbildlich.
Erholung für jedermann
Seit über 60 Jahren bemüht sich die Stadt Fürth mit außergewöhnlicher Intensität um ihren Wald. Erste Ansätze gab es schon früh. 1935 wagte man ein Experiment, das wegen der sandigen Böden der Gegend zunächst Kopfschütteln auslöste. In einzelnen Distrikten des Stadtwaldes wurden die Kiefern vor allem mit Buche unterbaut. Das Experiment war erfolgreich. Jahre später wurde es Vorbild für das große Nürnberger „Reichswald-Unterbauprogramm“. Der eigentliche Startschuss für den Umbau des Stadtwaldes in Misch- und Laubholzbestände erfolgte im Jahr 1958. Das seinerzeit zuständige staatliche Forstamt hatte entsprechend der damaligen Linie aus wirtschaftlichen Gründen zu einer großflächigen „Räumung über gesicherter Verjüngung“ geraten. Auf den abgeräumten Flächen hätte es aber auf Jahrzehnte für die Fürther Bürger keinen richtigen Wald mehr gegeben. Die Stadträte beschlossen, den Bedürfnissen der Erholungsuchenden gegenüber den wirtschaftlichen Gesichtspunkten Vorrang einzuräumen. Ein „Optimum an Waldschönheit“, das war das neue Ziel.
Attraktivität und Wirtschaftlichkeit
Seither werden die älteren, überwiegend gleichaltrigen Kiefernreinbestände kontinuierlich verjüngt und systematisch mit Laubbäumen unterpflanzt. Mit dem flächendeckenden Jungwuchs, davon inzwischen 70 Prozent Laubbäume, sind die Böden wieder besser geworden. Kahlschläge gibt es nicht mehr. 30 Jahre lang achtete Stadtförster Friedrich Kunz darauf, dass zuerst die Bäume minderer Qualität entnommen wurden, seit Mitte der 90er Jahre ist es Martin Straußberger, der mit 3 Waldarbeitern dafür sorgt, dass die besten Bäume zu wertvollem Stammholz heranwachsen. Jährlich werden auf den 560 Hektar gut 2 500 bis 3 000 Festmeter Holz geerntet. Kleinere Kunden wie Schreinereien erhalten auch Sondersortimente nach Maß. Nachdem die städtische Forstverwaltung 2004 die Jagd in Eigenregie übernommen hat, braucht es für den Jungwuchs kaum mehr Zäune. Wo auf Schönheit gesetzt wird, muss auf wirtschaftlichen Erfolg nicht verzichtet werden.
Der Stadtwald wird heute von der Bevölkerung intensiver genutzt denn je. An normalen Tagen kommen laut einer Zählung um die 1700, an Sonntagen sogar 4 000 Menschen in den Wald. Einschließlich der Forstwege gibt es 25 Kilometer gut gepflegte und malerisch in die Landschaft eingebundene Rad-, Reit- und Wanderwege sowie einen Trimm- Dich-Pfad. Das Wildschweingehege lieben besonders die Kinder. Schulen und Kindergärten erleben im „grünen Klassenzimmer“ und auf den Waldlehr- und -erlebnispfaden Natur zum Anfassen. Die größte Attraktion ist aber der Wald selbst, ein wahrer Schatz für die Sinne mit seinen hohen Kiefern, den üppig wachsenden und in den Sonnenstrahlen leuchtenden Laubgehölzen.
Viel Raum für seltene Tiere
1976 wurde der Fürther Stadtwald, zu der Zeit schon lange dem Naturschutz verschrieben, Landschaftsschutzgebiet und 1985 Bannwald. 2002 wurde er zusammen mit dem angrenzenden Zirndorfer Stadtwald als „Flora-Fauna-Habitat-Gebiet“ Teil des europäischen Biotopverbundes Natura 2000, der selten gewordene Lebensräume erhalten und Artenvielfalt fördern will. Auch für Peter Pröbstle vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth und Herbert Schlicht, den Waldreferenten des Stadtrates, war das eine Bestätigung der bisherigen Arbeit.
Naturschutzrelevante Bäume sind kartiert und markiert. Mit etwas Glück kann man dort die vielen heimischen Spechte bei der Arbeit an ihren Höhlen beobachten, die auch andere Vögel, wie etwa der seltene Sperlingskauz oder die zahlreichen Fledermausarten, nutzen. Gefährdete Pflanzen oder Amphibienverstecke werden vor den Besucherströmen geschützt, die wenigen kleinen Weiher und Bachläufe des eher trockenen Waldgebiets sorgfältig gepflegt. – Die Stadt Fürth, traditionell von Toleranz und Liberalität geprägt, hat einen Wald, auf den sie stolz sein kann.
Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

