Gemeinde Fuchsstadt - Der Wald als lebender Schatz
Bis in die 80er Jahre hinein bestimmten in Fuchsstadt Nutzungsrechtler die Geschicke des Gemeindewaldes. „Die Käufer des Brennholzes entschieden, was im Wald gemacht wurde“, bringt es Bürgermeister Peter Hart auf den Punkt. Als vor 15 Jahren die letzten Rechte ausliefen, war für die Fuchsstädter endgültig klar, sie würden ihren Wald künftig selber, und zwar zukunftsgerecht pflegen.
- Betrieb: 915 Hektar
- Baumarten:
Altbestände: 8% Fichte, 13% Kiefer, 5% Lärche, 39% Buche, 25% Eiche, 5% Edellaubholz, 5% sonstiges Laubholz
Jungbestände: 1% Fichte, 4% Kiefer, 3% Douglasie, 1% Tanne, 49% Buche, 18% Eiche, 19% Edellaubholz, 5% sonstiges Laubholz
- Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt a. d. Saale
- Landkreis: Bad Kissingen
- Naturraum: Fränkisches Saaletal, Vorrhön
Gründe für die Auszeichnung
Die Gemeinde Fuchsstadt hat ihren Wald vorbildlich erschlossen und zeichnet sich regional mit einer einzigartig stetigen und konsequenten Pflege aus. Sie leistet entschiedene Arbeit, um den Wert ihrer Hölzer zu steigern.
Eine Entscheidung mit Folgen
In der Nähe von Hammelburg am Fuße eines sanft geschwungenen Hügelrückens liegt Fuchsstadt. Die Hälfte des Gemeindegebiets besteht aus Wald, und beinahe alles davon gehört seit alters her der Gemeinde. In Zahlen ausgedrückt sind das stattliche 915 Hektar. Peter Hart, seit sieben Jahren Bürgermeister, hat sich schon immer stark für den Wald engagiert, heute zum Beispiel als stellvertretender Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale. Für ihn ist der Wald ein lebendiger Schatz, den es zu hüten und zu pflegen gilt.
Fuchsstadt beschäftigt zwei ausgebildete Forstwirte. Eine Entscheidung mit Weitblick, die sich sehr bewährt hat. Besonders Bernd Volpert, seit 25 Jahren im Einsatz, hat sich als treibende Kraft der kontinuierlichen und konsequenten Aufwertung des Waldbestandes erwiesen. Nicht zuletzt aus sozialen Gründen bildet die Gemeinde auch junge Menschen zum Forstwirt aus. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Forstbehörden wurde intensiviert. Eigene und staatliche Gelder flossen unter anderem in den Wegebau. „Die Erschließung wirkte wie ein Schlüssel. Die Tore zum Wald haben sich geöffnet“, erzählt Forstmann Klaus Wilm.
Qualität ist alles
Die Waldwirtschaft der Gemeinde schreibt schwarze Zahlen, denn sie hob den Hiebssatz von ursprünglich 3,4 Festmeter je Hektar und Jahr in zwei Schritten auf inzwischen 6,8 Festmeter an. Eine 2008 durchgeführte neutrale Begutachtung ergab, dass der Vorrat dank der hervorragenden Pflege seit 1982 um 42 Prozent gestiegen ist. Zudem hat sich die Qualität der Bestände enorm verbessert.
Die Wälder der Gemeinde geben ein abwechslungsreiches Bild ab. An steileren Hängen stehen kerzengerade und hoch wachsende Buchenbestände, anderswo gibt es noch Mittelwald. Bei nur 26 Prozent Nadelholz sind die Waldbestände insgesamt standortgerecht und klimastabil durchmischt. Hier müssen keine Monokulturen aufwändig umgebaut werden.
Die Fuchsstädter fördern intensiv die Naturverjüngung, geeignete Samenbäume werden gezielt gepflegt und seltene Edelhölzer gepflanzt, um die Struktur der Wälder zu verbessern. Mit einer konsequenten Astung zukünftiger Elitebäume wird an der Vermehrung wertvollen Stark- und Furnierholzes gearbeitet.
Die vier Jagdpächter, alle aus der Gegend, tun ihr Bestes, um Wild und Wald in ein gedeihliches Verhältnis zu bringen. ‚Weiserzäune‘ zeigen anschaulich, was in einem vor Wild geschützten Bereich alles wächst. Auch gemeinsame Revierbegehungen und das ‚Forstliche Verbissgutachten‘ verfehlten ihre Wirkung nicht.
Ein echter Gemeindewald
Die Fuchsstädter sind sich im Großen und Ganzen einig, wenn es um die neue Wertschöpfung im Wald geht. Dazu hat sicher beigetragen, dass sich die Gemeinde auch ökologisch besonders engagiert. 250 aufgrund von Wuchs, Größe oder Art interessante Biotop-Bäume sind speziell markiert. Ein alter Bestand mit 20 Hektar ist als Naturwaldreservat vollständig aus der Nutzung genommen. „Was andere verordnet bekommen, das machen wir hier freiwillig“, kommentiert Bernd Volpert. Kürzlich hat der Freistaat Bayern zudem einen Teil der Waldfläche zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet des europäischen Natura 2 000-Netzes erklärt.
An einem Tag zwischen Weihnachten und Neujahr findet in der Gemeinde noch regelmäßig der ‚Holzstrich’ statt. Hier wird Brennholz direkt im Wald versteigert. Wo anders ist die Tradition längst eingeschlafen, hier ist das jedes Mal ein Fest.
Links:
Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

