Markt Werneck - Werte für die Zukunft

Werneck ist erst 1972 mit der Zusammenlegung von 13 Gemeinden zu eigenem Wald gekommen. 494 Hektar sind es heute. Für den Gemeinderat war das völliges Neuland. Werneck entschied sich, in der Herausforderung eine Chance für einen neuen zukunftsorientierten Wald zu sehen.

  • Betrieb: 494 Hektar
  • Baumarten:
    Altbestände: 82% Eiche, 15% Hainbuche, 3% Edellaubholz
    Jungbestände: 40% Edellaubholz, 35% Eiche, 12% Nadelholz, 10% Hainbuche, 3% Rotbuche
  • Amtsbereich: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt
  • Landkreis: Schweinfurt
  • Naturraum: Fränkische Platte

Der Markt Werneck baut verlichtete Eichenmittelwälder konsequent in standortgerechte Mischbestände aus hauptsächlich Eiche und Edellaubholz um. Außerdem pflegt er engagiert, kontinuierlich und vorbildlich die Jungbestände.

Voller Einsatz für eine neue Aufgabe

Nicht weit südwestlich von Schweinfurt am Main liegt Werneck. Den Ort prägt ein prächtiges Schloss. Der Würzburger Fürstbischof Carl von Schönborn hatte es 1731 von Balthasar Neumann errichten lassen. Er hoffte, sich hier „bei frischer Luft“ von „beschwerlichen Regierungsgeschäften zuweilen eine vergnügliche Erleichterung verschaffen“ zu können.

Umgeben ist die Stadt von einer nur leicht hügeligen Landschaft, der Fränkischen Platte. Dank dem fruchtbaren Boden ist Werneck, so Bürgermeisterin Edeltraut Baumgartel, ein Hochleistungsstandort der Landwirtschaft. Wald gibt es nur relativ wenig, in 20 bis 50 Hektar großen Inseln. In den 1972 übernommenen Gemeindebeständen dominierte der Eichenmittelwald, der vor allem von Schwammspinnerbefall und dessen Folgen stark geschädigt war. In großer Holznot früherer Zeiten war der Mittelwald, eine durchaus sinnvolle Wirtschaftsweise. Dabei lies man die Bäume bis auf wenige sehr gute Exemplare alle 20 Jahre abholzen und neu austreiben. Inzwischen hat diese Art der Waldwirtschaft, die vor allem die Produktion von Brennholz zum Ziel hatte, an Bedeutung verloren.

Werneck nahm sich seines Waldes mit großer Entschlossenheit an, besonders Rudi Krispin, der Kämmerer der Marktgemeinde, und Jürgen Stolle, der 1974 das Amt des Revierförsters antrat. Bis er 2006 in den Ruhestand ging, war er unermüdlich im Wald unterwegs, um nach und nach aus den alten geschädigten Beständen stabile und ertragreiche Laubmischwälder zu entwickeln. Heute sind im kommunalen Forstbetrieb unter der Leitung von Klaus Rettner, der gleichfalls mit großer Leidenschaft bei der Sache ist, zwei Forstwirte mit zwei Waldarbeitern damit beschäftigt, den Bestand zu pflegen und neue Kulturen zu begründen. Laufend sind Arbeitstrupps unterwegs, um auszugrasen oder zu asten und damit Wuchs und Wertzuwachs zu fördern.

Vom Mittelwald zum Hochwald

Der Gemeinderat informiert sich regelmäßig über die Fortschritte im Gemeindewald. Werneck denkt langfristig und nachhaltig. Statt auf kurzfristige Gewinne zu bestehen, investiert der Markt das Doppelte des Betrages, den er aktuell aus der Holzverwertung erzielt, in den Aufbau wertvoller Hochwälder. Wirtschaftswege- und Rückegassen wurden angelegt, die Pflegerückstände konsequent aufgeholt. Ganz will man hier auf die Eiche nicht verzichten, aber es gedeihen auch andere wertvolle Baumarten wie Wildkirsche, Nussbaum, Speierling und Elsbeere oder Douglasie und Lärche. Wo nötig, wird gepflanzt, wo möglich, die Naturverjüngung gezielt unterstützt und gesteuert. Zugunsten der Edellaubhölzer wird der Eichenanteil auf künftig gut 40 Prozent reduziert. Die Buche wird gelegentlich ein wenig zurückgenommen, wenn sie den anderen Baumarten Licht und Raum zu nehmen droht. Das stabilisiert die Eichenmischbestände.

Nur mit dem Wild haben die Forstleute vom Markt Werneck noch ihre Probleme. Im Winter haben die Tiere in der Flur außerhalb der Waldinseln kaum Deckung. Trotz der Streuobstwiesen, der Wildäcker und der Buschwerke, die unter anderem als Windschutz an den Waldsäumen angelegt wurden, ist bislang ohne Zäune keine Waldverjüngung möglich. Für ein gutes Gleichgewicht von Wild und Wald müssen sie noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Eine lohnende Investition

In 20 bis 30 Jahren wird sich der Aufwand auszahlen. Davon ist der Kämmerer überzeugt. Stephan Thierfelder, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, kann dem nur zustimmen. Aus seiner fachlichen Sicht „befinden sich die Jungbestände in einem hervorragenden Pflegezustand. Hier entsteht eine ausgezeichnete Holzqualität“ von hoher ökologischer Stabilität. Die Bevölkerung hat mit der Wiederbelebung des Waldes schon heute gewonnen. Die Zustimmung zur Wernecker Waldpolitik nimmt stetig zu. Die Vitalität des neuen Gemeindewaldes und die Vielfalt der Baumarten besitzen ihre ganz eigene Überzeugungskraft.

Links:

Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung 2009
Mehr Informationen und Inhalte auf der Seite der bayerischen Forstverwaltung.

Forstcast - Waldradio

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